Riefen sind tiefe senkrechte Kratzer auf der Zylinderlaufbahn — der spiegelglatten Fläche, auf der der Kolben gleitet. Sind sie einmal da, gehen sie nicht mehr weg: Der Ölfilm reißt an dieser Stelle, der Verschleiß beschleunigt sich, und der Motor steuert allmählich auf eine Grundüberholung zu. Die gute Nachricht ist, dass Riefen fast immer vorher warnen — man muss sie nur hören.
Woher Riefen kommen
Der Mechanismus ist immer derselbe: Der Ölfilm reißt dort, wo der Kolben auf die Wand trifft, und Metall reibt auf Metall. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Ölmangel — zu niedriger Stand, seltene Wechsel, ein zugesetzter Ölfilter oder verbrauchtes Öl bei heißem Wetter;
- Überhitzung — der Kolben dehnt sich über sein Auslegungsmaß hinaus und drückt gegen die Wand;
- Abrieb — Keramikstaub aus einem zerfallenden Katalysator, der in die Zylinder zurückgesaugt wird, oder Staub, der an einem schlechten Luftfilter vorbeigekommen ist;
- konstruktive Eigenheiten — manche Motoren neigen auch bei sorgfältiger Nutzung zu Riefen.
Fünf Anzeichen für Riefen
- Ein Klopfen im kalten Zustand. Das früheste und charakteristischste Zeichen: ein dumpfes, dieselartiges Klopfen in den ersten Minuten nach dem Start, das mit der Erwärmung abklingt. Der Kolben mit verschlissenem Schaft kippelt in der Laufbahn, bis er sich durch die Wärme ausdehnt.
- Steigender Ölverbrauch. Die Kratzer lassen Öl in den Brennraum: erst ein Nachfüllen alle paar tausend Kilometer, dann kommt man nicht mehr von einer Wartung zur nächsten.
- Metallstaub im Öl. Ein Glitzern am Ölmessstab, Späne am Magneten der Ablassschraube oder im alten Filter beim Wechsel.
- Unruhiger Lauf und Leistungsverlust. Die Kompression im betroffenen Zylinder fällt, und der Motor beginnt auszusetzen, besonders im kalten Zustand.
- Blauer Rauch beim Gasstoß. Verbranntes Öl gibt dem Abgas einen bläulichen Ton, auffällig beim schnellen Anheben der Drehzahl aus dem Leerlauf.
Kein Zeichen allein ist ein Urteil, aber zwei oder drei zusammen sind ein solider Grund für eine Endoskopie ohne Aufschub.
Die Stadien: von den ersten Kratzern bis zur Überholung
| Stadium | Was Sie hören und sehen | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Früh | Leichtes Klopfen im kalten Zustand für 1–3 Minuten | Endoskopie, Ölstand beobachten |
| Mittel | Das Klopfen dauert länger, Öl zwischen den Wartungen nachfüllen | Reparatur einplanen |
| Fortgeschritten | Klopfen auch im warmen Zustand, Aussetzer, Rauch | Bald reparieren |
| Kritisch | Dauerndes Klopfen, Späne im Öl | Fahrzeug nicht mehr nutzen |
Wie schnell es fortschreitet, ist nicht vorhersehbar, aber die Richtung ist immer dieselbe. Je näher an den unteren Zeilen, desto relevanter die Frage aus Kann man mit klopfendem Motor fahren — in einem fortgeschrittenen Stadium kostet jeder Kaltstart den Motor Lebensdauer. Wo die Grenze zwischen einem harmlosen Kaltgeräusch und einer Warnung verläuft, steht in Ist ein Kaltklopfen, das weggeht, gefährlich.
Welche Motoren gefährdet sind
Bestimmte Ottomotoren sind dafür bekannt, und die Foren ihrer Halter sind voll von derselben Geschichte: ein Kaltklopfen, dann Ölverbrauch, dann ein Endoskop. Ein zerfallener Katalysator ist ein eigenes Risiko an Motoren, an denen er dicht am Krümmer sitzt — der Keramikstaub wirkt als Schleifmittel, wie in Ein defekter Katalysator: der Ton beschrieben. Gehört Ihr Fahrzeug zu einem Modell mit einschlägigem Ruf, machen Sie es sich zur Regel: einmal jährlich eine Endoskopie oder bei jedem neuen Klopfen beim Kaltstart. Vergleichen Sie Ihren Ton mit den typischen Aufnahmen auf den Symptomseiten Motorklopfen im kalten Zustand und Klopfen im Motor.
Bestätigung und was daraus folgt
Die Reihenfolge der Bestätigung: eine Kompressionsprüfung Zylinder für Zylinder, dann eine Endoskopie durch die Zündkerzenbohrungen. Zusammen dauert das etwa eine Stunde. Sind Riefen bestätigt, sind die Reparaturwege das Aufbohren des Blocks auf ein Übermaß oder das Einsetzen von Laufbuchsen mit neuen Kolben. Das ist eine Grundüberholung, und Zwischenlösungen gibt es nicht: Additive und Spülungen entfernen keine Kratzer aus Metall.
Zwei Fragen entscheiden über die Arbeit. Erstens, ob die Ursache gefunden wurde: Kamen die Riefen von einem zerfallenden Katalysator oder von Ölmangel, trifft ein überholter Motor auf dieselben Bedingungen. Zweitens, ob gleichzeitig die Lager geprüft wurden — der Abrieb, den die Riefen bereits erzeugt haben, wandert mit dem Öl mit, und eine Überholung, die das ignoriert, hält nicht lange. Ist ein dumpfes Klopfen aus der Tiefe des Blocks dazugekommen, ist das eine andere und dringendere Frage: Dann steht der Verdacht auf verschlissene Pleuellager im Raum, und dabei zählt jeder gefahrene Kilometer.
Hat der Motor angefangen, im kalten Zustand zu klopfen, und Sie befürchten das Schlimmste, nehmen Sie den Ton in der Stuk-App auf. Sie gleicht die Aufnahme mit Ihren Antworten zu den Bedingungen ab und zeigt die wahrscheinlichen Ursachen in Prozent samt Dringlichkeit: Mit diesem Bild fällt die Entscheidung über Endoskopie und Reparatur leichter und ruhiger.