Eine hydraulische Servolenkung ist im Kern eine Pumpe, die über einen Keilrippenriemen vom Motor angetrieben wird. Sie fördert Öl und nimmt Ihnen einen Großteil der Kraft am Lenkrad ab. Ist das System gesund, arbeitet es nahezu lautlos. Ein Jaulen oder Summen beim Lenken ist das häufigste Signal, dass ihm etwas im Weg steht — und in den meisten Fällen ist die Ursache günstig, sofern Sie sie nicht liegen lassen. Hier stehen die Ursachen nach Häufigkeit und die einfachen Prüfungen, die Sie ohne Werkstatt selbst hinbekommen.

Woher das Jaulen kommt

Die Quelle ist fast immer die Servopumpe. Drei Dinge bringen sie zum Jaulen: zu wenig Öl, Luft im System oder Verschleiß in der Pumpe selbst. Beim Einschlagen steigen Systemdruck und Last an der Pumpe — deshalb taucht der Ton in Kurven auf oder wird dort lauter.

Wichtig ist, Normalzustand und Defekt zu trennen. Ein kurzes Summen am vollen Anschlag ist das Überdruckventil bei der Arbeit; so verhalten sich auch völlig gesunde Autos. Bedenklich sind andere Zeichen:

  • das Jaulen ist bei jeder Lenkbewegung da, nicht nur am Anschlag;
  • der Ton steigt mit der Motordrehzahl;
  • die Lenkung ist schwergängiger geworden oder die Kraft ist ungleich;
  • das Öl im Behälter ist dunkel, riecht verbrannt oder schäumt.

Ursachen nach Häufigkeit

UrsacheWie es sich zeigtWas zu tun ist
Zu niedriger ÖlstandJaulen beim Lenken, schwerere LenkungNachfüllen, Leck suchen
Luft im SystemJaulen, Schaum im Behälter, ruckende KraftEntlüften, Eintrittsstelle finden
Altes ÖlJaulen im kalten Zustand, dunkle FarbeÖlwechsel
Verschlissene PumpeDauerhaftes Jaulen, steigt mit der DrehzahlPumpe instand setzen oder tauschen
Loser KeilrippenriemenQuietschen plus Jaulen unter LastSpannen oder erneuern
Verschlissenes LenkgetriebeJaulen zusammen mit KlopfenPrüfung auf der Hebebühne

Die ersten drei Punkte sind die häufigsten und die günstigsten. Eine Pumpe jault selten aus eigenem Antrieb — sie verschleißt in aller Regel erst nach langer Zeit auf niedrigem Stand oder auf altem Öl.

Der Riemen ist ein Sonderfall. An den meisten Autos treibt derselbe Keilrippenriemen sowohl die Lichtmaschine als auch die Servopumpe an, ein rutschender Riemen erzeugt also Quietschen und einen Druckeinbruch zugleich. Wie sich dieser Fehler anhört, steht auf der Symptomseite Riemenquietschen, und die Ursachen dahinter in Warum der Lichtmaschinenriemen quietscht.

Wie Sie es selbst prüfen

Drei Schritte, für die Sie weder Grube noch Werkzeug brauchen:

  1. Der Ausgleichsbehälter. Prüfen Sie bei kaltem Motor den Stand zwischen MIN und MAX. Beurteilen Sie gleich das Öl: frisches Öl ist klar, rötlich oder grünlich; dunkelbraun mit verbranntem Geruch heißt, es muss raus. Schaum oder Bläschen bedeuten Luft im System.
  2. Die Standprüfung. Drehen Sie bei laufendem Motor im Stand einmal von Anschlag zu Anschlag. Ist das Jaulen im Stand genauso deutlich zu hören, geht es um die Hydraulik und nicht um das Fahrwerk. Hören Sie statt eines Jaulens Klicken oder Klopfen, ist das eine andere Geschichte.
  3. Die Fahrprüfung. Tritt der Ton nur in Kurven während der Fahrt auf und lenkt der Wagen im Stand still, kann die Servolenkung unschuldig sein: Ein belastetes Radlager brummt in Kurven sehr ähnlich. Die Unterschiede stehen auf der Symptomseite Brummen beim Lenken.

Hydraulisch oder elektrisch: prüfen Sie, was Sie haben

Ein Punkt, der bei neueren Autos zählt: Ein großer Teil der Modelle der 2010er-Jahre und praktisch jeder neue Serienwagen hat eine elektrische Lenkunterstützung statt einer hydraulischen. Sie hat weder Pumpe noch Ölbehälter, das klassische hydraulische Jaulen gehört ihr also nicht: Eine elektrische Lenkung arbeitet entweder leise oder sie surrt bei Problemen mit ihrem Motor, wird stufenweise schwer und wirft die Lenkungswarnung im Kombiinstrument.

Die Prüfung ist einfach: Schauen Sie unter der Haube nach einem Ölbehälter, dessen Deckel ein Lenkrad-Piktogramm trägt. Kein Behälter heißt elektrische Lenkung, und Ratschläge zu Ölstand und Entlüften gehen dann ins Leere; ihre Diagnose läuft über das Auslesen der Fehlercodes. Es gibt auch eine Zwischenform — die elektrohydraulische Lenkung, bei der ein Elektromotor die Pumpe antreibt: Sie kann auf hydraulische Art jaulen und gleichzeitig elektrische Fehlercodes ablegen.

Wie über die Reparatur entschieden wird

Fangen Sie günstig an. Frisches Öl und ein sauberes Entlüften erledigen einen spürbaren Teil aller Jaulfälle; die Pumpe zu tauschen, ohne vorher Stand und Zustand des Öls geprüft zu haben, heißt, für das Symptom statt für die Ursache zu zahlen.

Stellt sich die Pumpe doch als verschlissen heraus, lohnt eine Frage: Was passiert mit dem Rest des Systems. Eine verschlissene Pumpe schickt Metallabrieb stromabwärts, eine ordentliche Werkstatt spült deshalb das System, statt einfach eine neue Pumpe anzuschrauben — sonst macht sich der verbliebene Abrieb über die neue Pumpe und die Dichtungen des Lenkgetriebes her. Fragen Sie vor der Zusage nach dieser Spülung; das ist kein Zusatzverkauf, sondern das, was die Reparatur haltbar macht.

Darf man mit jaulender Pumpe fahren

Kurzfristig ja — das Auto bleibt beherrschbar. Aber zwei Prozesse laufen gegen Sie. Erstens verschleißt eine Pumpe, die wegen Ölmangel oder Luft jault, schnell, und binnen Wochen wird aus einer Kleinigkeit ein Tausch. Zweitens drückt eine verschlissene Pumpe Metallabrieb durch das System, das erledigt die Dichtungen des Lenkgetriebes — und das Lenkgetriebe ist das teuerste Teil der Lenkung. Behandeln Sie ein Jaulen also als Grund, innerhalb von ein, zwei Tagen in den Behälter zu schauen, und nicht als etwas, das man „einen Monat lang beobachtet“.

Sind Sie nicht sicher, ob es wirklich die Servolenkung ist, nehmen Sie den Ton beim Lenken mit der Stuk-App auf. Die App gleicht die Aufnahme mit Ihren Antworten dazu ab, wann der Ton auftritt, und zeigt die wahrscheinlichen Ursachen samt Dringlichkeit.